Katathym Imaginatives Bilderleben

Katathym Imaginatives Bild-Erleben (KB), oder im therapeutischen Kontext auch Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP) genannt, ist ein tiefenpsychologisch fundiertes Verfahren, das von Hanscarl Leuner entwickelt wurde, um mit der Imagination zu arbeiten.

Es kann unter anderem dazu angewendet werden, sein eigenes inneres Seelenleben besser kennen und verstehen zu lernen, die Kraftressourcen und die Führung innerer Weisheit zu entdecken und zu nutzen sowie innere Konflikte aller Art zu erkennen, aufzudecken und aufzulösen, sei es persönlicher, partnerschaftlicher oder beruflicher Natur.

Das Verfahren ist vielfältig einsetzbar und flexibel, für alle Arten von Zielen und Problem-Überwindungen anzuwenden. Man kann damit lernen, im Alltag besser zurecht zu kommen, sich selbst besser zu verstehen, seine Gedanken und Gefühle zu begreifen und einen besseren Umgang mit ihnen zu erlernen.

Es eignet sich für kurze Mini-Übungen, schnelle Einsichten und spontane Reflexionen, Meditationen und Achtsamkeits-Übungen. Entwickelt wurde es jedoch auch für einen weitreichenden und tiefenpsychologischen Prozess (mit Elementen aus der Gestaltpsychologie), der über mehrere Sitzungen verteilt stattfindet. Als Psychotherapie ist es ein anerkanntes Verfahren.


Für ein schnelles aber tief gehendes Verständnis folgt hier ein Einblick in die „große Reise“ des Bild-Erlebens:


Nach Einleitung in einen entspannten Zustand wird man im Normalfall dazu angeregt, sich gewisse „Standardmotive“ vorzustellen, wie eine Wiese, einen Bach, einen Berg, ein Haus oder einen Waldrand. (Dies sind die „einfachen“ Standardmotive, die sogenannte Grundstufe.)

Das Unterbewusstsein benutzt dann diese Vorstellung gewissermaßen als eine Projektionsfläche für die Seele. Man könnte sagen, ein Teil der eigenen Seelen-Landschaft wird in dieses imaginierte Bild hineinprojiziert. Jedes der Motive steht für bestimmte Aspekte der Persönlichkeit, die sich voraussichtlich dort zeigen werden. Der Bach beispielsweise steht für den Fluss des Lebens (normalerweise wird er zu einem Fluss, wenn man ihn stromabwärts weiter verfolgt). Es ließe sich behaupten, das Unterbewusstsein erkennt diese Motive ähnlich wie archetypische Symbole oder wie in der Gestaltpsychologie als dazu geeignet, sie automatisch von sich aus entsprechend zu verwenden.

Je nachdem, wie sich die Landschaft im Geiste darstellt, wie das Wetter ist, was für Besonderheiten auftauchen, was für Gestalten sich zeigen und welche Hindernisse auftreten, kann man darauf Rückschlüsse auf seelische Befindlichkeiten ziehen. Beispielsweise könnte eine Elefanten-Statue auf der Wiese darauf hinweisen, dass die Person ein versteinertes Verhältnis zu seinem Vater hat. Eine Mauer, die den natürlichen Fluss des Baches unterbricht, deutet auf eine Blockade in der Lebensenergie hin, vielleicht eine schlimme prägende Erinnerung oder ein schädlicher Glaubenssatz.

Das Schöne ist, dass man die Symbole nicht zwingend deuten und korrekt interpretieren und verstehen muss – man kann gleich „am Symbol arbeiten“, also versuchen, mit der Statue in Interaktion zu treten oder einen Weg finden, die Mauer zu durchbrechen. In den meisten Fällen werden sich die Dinge verändern und verwandeln, was dann auch direkt zu einer Verwandlung in einem selbst führt. Schafft man es also, einen Konflikt mit einer Gestalt zu klären, dann klärt sich damit ein Konflikt in uns selbst. Oft ist es dann aber auch so, dass bereits durch die Betrachtung und Bearbeitung nach und nach deutlich wird, um welche Art von Konflikt es sich handelt.

Die Bearbeitung konfliktbehafteter Gestalten kann erstmal über verschiedene Stufen der Verwandlung führen. Die Statue könnte sich vielleicht in einen echten Elefanten verwandeln, dessen Wut man vielleicht erstmal kurz ertragen und dann beschwichtigen muss, vielleicht wird er dann kleiner, schließlich wird aus dem Tier eine andere Gestalt, letztlich vielleicht ganz klar erkennbar der Vater, mit dem man sich dann schließlich aussöhnen kann, um den (in sich selbst bestehenden) Konflikt zu lösen.

Oft ist es sinnvoll, die Standardmotive in ihrer Reihenfolge abzuarbeiten, da die Reihenfolge gewissermaßen einen steigenden Schwierigkeitsgrad darstellt und tendenziell tiefer in die Seele hinein führt. Es gibt noch ein paar weitere Standardmotive, um die verschiedenen Bereiche der Seele zu beleuchten, „Sumpfloch“ und „Vulkan“ lassen schon ahnen, dass dies sehr tiefgehende Motive sind, in denen sich durchaus beängstigende Gestalten verbergen können. Manche Motive und Gestalten sollten ausschließlich in Begleitung eines fähigen und erfahrenen Therapeuten konfrontiert werden!

Aber auch „freies Assoziieren“ ohne vorgegebene Bilder ist möglich, man lässt dann einfach kommen, was kommt und arbeitet dann damit. Ebenso können reale Konflikte und Situationen bewusst und gezielt als Grundlage für ein Bild genommen werden, oder man versucht, einen Traum auf diese Art weiter zu träumen um seine Bedeutung zu entschlüsseln.


Das Katathym Imaginative Bilderleben ist für uns ein nicht mehr wegzudenkendes, fantastisches Werkzeug, um sich selbst besser kennen zu lernen, das eigene innere Gleichgewicht zu stärken sowie innere Konflikte klarer zu machen und zu lösen. Es ist eine gute Ergänzung zu Analytischer Hypnose wie auch für das Emotionale Coaching.

Wenn man allerdings nur alleine mit sich selbst damit arbeitet, tauchen bestimmte Motive und Gestalten nicht auf, es ist also selbst für erfahrene KIP-Therapeuten immer angeraten, mit jemandem zusammen zu arbeiten um an sich selbst zu arbeiten.