Die Musketiere der Metonymie

Buch in der Hand

Die Metonymie ist eine rhetorische Stilfigur, die ich wegen ihrer Fantasie anregenden Wirkung sehr schätze. Auf subtile Art lädt sie dazu ein, das Gesagte in verschiedenen, oft größeren Kontexten zu sehen und durch Verschiebung des Sinnes das Verständnis für die vermittelte Idee zu erweitern. Sie macht die Sprache bunter, regt zum Interpretieren an und unterstützt eine lockere bis humorvolle Art der Kommunikation.

Was bedeutet Metonymie?

Mit der Metonymie wird statt des eigentlich gemeinten Ausdruckes ein anderer gebraucht, der über- oder untergeordnet mit diesem in Beziehung steht. So kann zum Beispiel eine Person stellvertretend für eine ganze Gruppe genannt werden („einer für alle“), ein ganzer Staat für eine kleine Gruppe aus dem Land („alle für einen“), ein Rohstoff für ein Produkt aus diesem, die Wirkung für die Ursache stehen oder umgekehrt.

Beispiele für Metonymie

Im Jahre 218 v. Chr. überquerte der Feldherr Hannibal die Alpen. Ich stelle mir gerne vor, wie er als einziger Mensch weit und breit durch den Schnee der hohen Berge stapfte. Um 50 v. Chr. eroberte Cäsar Gallien. Ich stelle mir den Kampf eines einzelnen Mannes gegen die zahlreichen gallischen Krieger vor.

Wenn Deutschland die WM gewinnt, stelle ich mir vor, wie Millionen von Menschen unbarmherzig den Ball ins Tor drängen. Wenn Brüssel etwas entschieden hat, stelle ich mir vor, wie die ganze Stadt gemeinsam diskutiert hat.

Die folgenden, frei erfundenen Dialoge verdeutlichen, dass wir eigentlich alle regelmäßig Metonymie benutzen und verstehen, indem die Fragen und Aussagen hier absichtlich missverstanden werden:

Wollen wir noch ein Glas trinken? – Nein danke, Glas vertrage ich nicht so gut. Hast Du vielleicht Wasser?
Hast Du schon mal Schiller gelesen? – Nein, aber ein paar seine Bücher.
Der Saal applaudierte. – Und was machte das Publikum?
Das Mittelalter glaubte an Hexen. – Hat es diesen Glauben von seinen Eltern übernommen?
Fährst Du Ferrari? – Nein, nur ein Auto von ihnen.
Der Krieger schwang das Eisen. – Wäre es nicht besser gewesen, erst ein Schwert daraus zu schmieden?
Habt Ihr Krach? – Im Gegenteil, wir reden gerade nicht miteinander.
Kann man seinem Wort vertrauen? – Welchem Wort genau?

Einsatz der Metonymie

Mit Hilfe dieses Sprachmusters lassen sich Aussagen verallgemeinern, so dass sich das Spektrum an Möglichkeiten der Deutung vergrößert. Dies erweitert die Auswahl zulässiger Optionen, um eine Forderung zu erfüllen oder eine Frage zu beantworten und dadurch eine Lösung zu finden.

Die Sinn-Verschiebung erlaubt es, mental andere Wege zu gehen und so im Geiste versperrte Möglichkeiten zu umgehen, um ein Ziel zu erreichen.

Es regt die Fantasie an und sorgt – richtig eingesetzt – für anregende und humorvolle Kommunikation.

Wie notwendig ist der Einsatz von Sprachmustern?

Mit Sprache gut umgehen zu können, öffnet Türen und erzeugt beeindruckende Wirkung.

Clevere Sprachmuster sind für eine wirkungsvolle Hypnose nicht notwendig. Sinnvoll eingesetzt verhelfen sie jedoch zu einer schönen Hypnose; sie regen die Fantasie an, schaffen interessante Bilder, laden zu größeren Kontexten ein. Hierdurch können sie Perspektiven und Möglichkeiten erweitern und somit zu eng gefasst Denkmuster umgehen und auflösen – als eine von verschiedenen Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen. Dies gilt neben der klinischen Hypnose in der Praxis auch für die Alltags-Hypnose wie gleichermaßen für ein gutes Gespräch, ob im Rahmen eines Coachings oder das Gespräch auf der Straße.

Dein Wort zählt – (bis Hundert?)

Ich freue mich, wenn der Beitrag deine Fantasie angeregt hat. Ich befürworte es sehr, wenn Menschen sich mit Sprache und ihrer Wirkung beschäftigen. Nicht wie im Schulunterricht, sondern mit Spaß und Neugier.

Kennst Du weitere interessante Beispiele für Metonymie? Was sind deine bevorzugten Sprachmuster? Welche Elemente sind Dir für eine gute Kommunikation wichtig?

Schreibe mir deine Gedanken als Kommentar unter diesem Artikel oder als Email. Ich freue mich darauf. „Hau in die Tasten.“

Marten Steppat
Hypnotiseur, Coach, NLP Master Practitioner, Storyteller, Schriftsteller, Reiki-Meister

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