Das Utilisationsprinzip nach Milton Erickson

Buch in der Hand

Es gibt da diese Geschichte von dem ehemals dicken Mann, der immer dünner wurde. Er glaube, von einem Voodoo-Priester verflucht worden zu sein. Dieser hatte ihm gesagt, er hätte Eidechsen-Eier in den Körper des Mannes gezaubert und diese würden ihn jetzt langsam auffressen. Der Mann war auch schon ganz dünn, als er auf unseren schlauen Doktor traf.

Vor ihm hatten ihn schon viele Doktoren abgewiesen mit dem Hinweis, dass es keine schwarze Magie gäbe. Gleichfalls hatte der Patient schon viele Doktoren abgelehnt, die nicht an schwarze Magie glaubten, denn wie konnten sie ihm dann helfen!

Unser Doktor war bereit, sich die Geschichte des Mannes anzuhören. Er machte sich sogar auf die Suche nach dem Priester, fand ihn jedoch nicht. Schließlich entschied er sich zu einem Experiment.

Er sagte seinem Patienten, er hätte den Priester gefunden und wüsste nun, wie der Zauber gemacht worden war. Es bedürfe einer Operation, um die Eidechsen aus seinem Körper zu entfernen. Er weihte die Tochter des Mannes in seinen Plan ein, da sie der Operation als seine Helferin beiwohnen sollte.

Dann kam der Tag der OP. Der Patient war fast nur noch ein Skelett. Eine leichte örtliche Betäubung und ein kleiner Schnitt am Bauch wurden gemacht. Dann ein wenig Wirbel. Der Doktor beugte sich vor, die Tochter lenkte den Patienten kurz ab, und plötzlich rief der Doktor „da haben wir den Übeltäter“ und hielt eine Eidechse in die Höhe. Der Patient wurde bewusstlos.

Von da an jedoch erholte sich der Patient. Er glaubte nicht mehr daran, dass die schwarze Magie noch Macht über ihn hatte, und so konnte er genesen und nahm auch wieder an Gewicht zu.

Das wichtigste an dieser Geschichte ist, dass der Doktor bereit war, das Weltbild des Patienten anzunehmen und von dort aus zu agieren. Nur so konnte er dem Patienten helfen und den Patienten dazu bewegen, sich von ihm helfen zu lassen.

Das ist ein Beispiel für das Prinzip der Utilisation, wie auch Milton Erickson es gerne verwendet hat. Es bedeutet, mit dem zu arbeiten, was der Klient mitbringt – seien es Fähigkeiten oder Glaubenssätze – und zu seinem Vorteil für ihn zu nutzen.

Marten Steppat
Hypnotiseur, Coach, NLP Master Practitioner, Storyteller, Schriftsteller, Reiki-Meister

2 Kommentare

  1. Lieber Marten,

    das ist wieder mal eine schöne Geschichte. Wie leicht könnte man so vielen Menschen helfen, wenn man einmal den Blick durch die eigene Brille etwas zurücknehmen und dafür durch die Augen des Klienten oder Patienten schaute…

    und – dafür muss man nicht einmal ein großer Meister, Magier oder Zauberer sein. Es reicht glaube ich völlig aus, ein zugewandter, offener Zuhörer und Gesprächspartner zu sein.

    Ich wünsche dir einen guten Start in ein wundervolles Jahr 2018! Mit vielen spannenden und lehrreichen Geschichten weiterhin.

    Herzliche Grüße,

    Uli

    1. Sehr gut Uli, ganz genau!
      Regelmäßig sehen wir gemeinsam viele unserer Kollegen Fragen stellen, mit welchen Techniken man vorgehen muss, um welche Probleme zu beseitigen, oder ob jemand einen vorgefertigten Text hat, der das Problem lösen soll, indem man diesen einfach vorliest. Dabei werden dann die individuellen Reaktionen, Denk- und Verhaltensweisen des Klienten nicht berücksichtigt.
      Wenn wir uns zu sehr auf unsere Methoden zurückziehen, dann können wir allzu leicht übersehen, dass so mancher Klient uns unbewusst bereits die Lösung offenbart, während er noch sein Problem beschreibt.
      Zuhören und Beobachten können sind mit die wichtigsten Fähigkeiten, die wir besitzen. Milton Erickson wusste das, auch Carl Rogers hat hier einen besonderen Schwerpunkt drauf gelegt. Das Utilisationsprinzip basiert darauf.
      Auch Dir einen fröhlichen Rutsch ins nächste Jahr!
      Liebe Grüße,
      Marten

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